Der Preis der Kasseler Bürgerschaft

Das Glas der Vernunft

12.9.2022

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Am Sonntag, 9. Oktober 2022 um 11:30 Uhr, erhält Bénédicte Savoy im Opernhaus des Staatstheaters Kassel den Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“.

In diesem Jahr wird zum 31. Mal der Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ verliehen. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy.

Wenn Sie noch nicht Mitglied des Vereins sind, können Sie sich per E-Mail zu der Preisverleihung am Sonntag, 9. Oktober um 11:30 Uhr im Opernhaus des Staatstheaters Kassel anmelden. Wir senden Ihnen die Karten, wenn noch verfügbar, zu und erwarten von Ihnen eine angemessene Spende, da wir keine öffentlichen Mittel erhalten und somit der Preis finanziell ausschließlich von den Kasseler Bürger:innen getragen wird. (Kto.-Nr. IBAN DE 74 5205 0353 0002 0509 35)

Bénédicte Savoy ist Leiterin des Fachgebiets Kunstgeschichte der Moderne an der Technischen Universität Berlin; das Time Magazine zählte sie zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2021 weltweit. Vorstand und Kuratorium würdigen, dass sie wissenschaftliche Forschung und kulturpolitisches Handeln verbindet.

Bénédicte Savoy hatte dem Humboldt-Forum 2017 einen Mangel an Provenienzforschung, Transparenz und Autonomie vorgeworfen und war aus dem Expertenbeirat des Forums ausgetreten. Die von ihr ausgelöste öffentliche Diskussion über koloniale Raubkunst schlug hohe Wellen – und sie zeigt erste Wirkung: Frankreich gibt 26 Schätze an die Republik Benin zurück und die Bundesrepublik will in diesem Jahr Bronzen nach Nigeria restituieren. Das könne aber nur der Anfang sein, denn es gehe, so die Preisträgerin, bei der Restitutionsdebatte um eine „Haltung zur Gegenwart und zur Zukunft, nicht um eine Abrechnung mit der Vergangenheit“. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei, dass Museen ihre „falsche Ehrlichkeit“ beenden und volle Transparenz schaffen.

Bénédicte Savoy hat gegen erhebliche Widerstände den Finger in die Wunde des oft verschwiegenen oder verharmlosten Kunstraubs in der Kolonialzeit gelegt und als Wissenschaftlerin eine Diskussion geprägt, die den Umgang der Museen, auch der in Deutschland, mit ihren Beständen aus der Kolonialzeit verändern wird.

Sie bringt damit ein überfälliges Umdenken im Umgang mit den eigenen kolonialen Geschichten maßgeblich voran. Geraubte Kulturgüter, die in einem Museum stehen, seien weit mehr als ein geraubtes Objekt. An und mit ihnen konnten sich Menschen zusammenfinden und weiterentwickeln. Durch koloniale Beutezüge wurde ihnen die Möglichkeit entzogen, ihre Kulturen zu leben. Bénédicte Savoy setzt sich mit großem Engagement dafür ein, dass diese Kulturen nicht nur anerkannt, sondern mit den Objekten sichtbar gemacht werden.

Vorstand und Kuratorium des Kasseler Bürgerpreises würdigen Bénédicte Savoy für ihren kulturpolitischen Aufbruch.

Die Preisträgerin

Bénédicte Savoy, 1972 in Paris geboren, ist die Leiterin des Fachgebiets Kunstgeschichte der Moderne an der Technischen Universität Berlin. 2016 – 2021 hatte sie zudem eine Professur am Collège de France in Paris für die Kulturgeschichte des künstlerischen Erbes in Europa vom 18. bis 20. Jahrhundert inne. Gemeinsam mit dem senegalesischen Wissenschaftler Felwine Sarr erstellte sie 2018 im Auftrag des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron den Bericht „Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter“.

Für ihre Forschung und ihre akademische Lehre erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter der 2016 verliehene Gottfried Wilhelm Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie in diversen wissenschaftlichen Beiräten und Gremien. 2021 erschien ihr Buch „Afrikas Kampf um seine Kunst. Geschichte einer postkolonialen Niederlage“, zudem die beiden Bände „Beute – Eine Anthologie zu Kunstraub und Kulturerbe“ (mit Isabelle Dolezalek u. Robert Skwirblies) sowie „Beute - Ein Bildatlas zu Kunstraub und Kulturerbe“ (mit Merten Lagatz u. Philippa Sissis).