Preisträgerin 2021

Reporter ohne Grenzen

Chimamanda Ngozi Adichie

Dr. Michael Rediske, Vorstandssprecher,
© Reporter ohne Grenzen

In diesem Jahr wird zum 30. Mal der Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ verliehen. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an die deutsche Sektion des globalen Netzwerkes Reporter ohne Grenzen. „Wir wollen damit den Mut dieser Reporterinnen und Reporter würdigen, die einen investigativen Journalismus und eine unabhängige Berichterstattung verteidigen“, sagt Bernd Leifeld, Vorsitzender des Vorstandes der Gesellschaft der Freunde und Förderer dieses Preises. Vorstand und Kuratorium zeichnen die Reporter ohne Grenzen auch dafür aus, dass die Organisation mit ihrem großartigen Engagement die Welt schon oft „wachgerüttelt hat“.  

Die deutsche Sektion der 1985 gegründeten internationalen Organisation Reporters sans frontières ist seit 1994 von Berlin aus aktiv. Sie informiert umgehend und interveniert wirksam, wenn Presse- und Informationsfreiheit in Gefahr sind. Mit ihrem Nothilfereferat gibt sie nicht nur Opfern ein Gesicht, benennt Täter und veröffentlicht Zensur oder den Einsatz von Überwachungstechnik. Sie übernimmt auch Anwaltskosten und ersetzt zerstörte oder beschlagnahmte Ausrüstung und setzt sich dafür ein, dass die Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit fortsetzen können.

Gerade in einer Krise wie der Corona-Pandemie ist Pressefreiheit unverzichtbar. Angesichts der dramatischen Entwicklungen weltweit müssen die Menschen in der Lage sein, sich aus vielfältigen Quellen zu informieren und das Handeln der Behörden auch kritisch zu hinterfragen. Zahlreiche Journalisten beklagen, dass viele Regierungen auf die Corona-Krise mit autoritären Regelungen, mit Zensur, Überwachung, Repression und Desinformation reagieren.

Vorstand und Kuratorium des Kasseler Bürgerpreises unterstreichen, dass die Anfeindung von Journalistinnen und Journalisten und die Veröffentlichung verzerrter Berichte nicht nur ein Problem autoritärer Staaten ist. „Auch bei uns in Deutschland hat es in jüngster Zeit etliche – sogar tätliche – Angriffe auf Medienvertreter gegeben“, sagt Bernd Leifeld. Eine freie, unabhängige Presse sei aber eine Voraussetzung, dass Bürger und Bürgerinnen sich eine Meinung bilden, besonnenen urteilen und Verantwortung übernehmen könnten.

Der Vorstandssprecher von „Reporter ohne Grenzen“ Dr. Michael Rediske beschreibt die aktuelle Situation so: „Dieser Tage ist die Arbeit von Reporter ohne Grenzen besonders herausfordernd. Alle Kraft stecken wir aktuell in unser Bemühen, Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan aus ihrer lebensbedrohlichen Lage zu retten. In den vergangenen eineinhalb Wochen haben uns viele hundert Hilferufe von Medienschaffenden erreicht, die keinen anderen Ausweg mehr sehen, als das Land zu verlassen.“ Die Hauptarbeit von Reporter ohne Grenzen aber bestehe nicht aus solchen Ausnahmesituationen. „Bei unserem Einsatz für den Schutz von Medienschaffenden in und außerhalb von Krisengebieten, gegen Zensur, gegen Überwachungstechnik und gegen restriktive Mediengesetze braucht es Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen“, so Rediske weiter. Auszeichnungen wie der Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ seien dabei ein besonderer Ansporn. „Wir danken Vorstand und Kuratorium der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Preises herzlich für diese Ehrung.“

„Das Glas der Vernunft“ wurde am Sonntag, 3. Oktober 2021, um 11.30 Uhr im Opernhaus des Staatstheaters Kassel an Vertreter der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen übergeben. Über die Zugangsmodalitäten wird zeitnah informiert.

Reporter ohne Grenzen

Mahnwache für Raif Badawi, © Reporter ohne Grenzen