Aktuelles

15.2.2024

Der Kasseler Bürgerpreis "Das Glas der Vernunft" wird am 29. September 2024 an die Autorin und Publizistin Dr. Carolin Emcke übergeben.

In diesem Jahr wird zum 33. Mal der Preis „Das Glas der Vernunft“ verliehen. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung der Kasseler Bürgerschaft geht an die Autorin und Publizistin Dr. Carolin Emcke. „Carolin Emcke hat in ihrem gesamten Werk, in den Büchern, Essays und Reportagen sich den Fragen von Gewalt und Entrechtung zugewandt. Sie sucht nach einer Sprache, die Hass und Gewalt etwas entgegensetzen kann, die Raum für Verständigung und Anerkennung öffnet“, sagt Wilfried Sommer, Vorsitzender des Vorstandes der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Preises. Ihre Texte seien voller analytischer Kraft und besonnen zugleich. Sie appelliere an jede Einzelne und jeden Einzelnen, Empathie und Vernunft zu verbinden. Vorstand und Kuratorium würdigen, dass Carolin Emcke eine universalistische Empathie als ethische Praxis übt.

Carolin Emcke war von 1998 bis 2014 als Reporterin in Krisengebieten unterwegs. Für die promovierte Philosophin ist Zeugenschaft von Krieg und Gewalt nie nur bloße Wahrheitsfindung, sondern immer auch verbunden mit dem Versuch, den Opfern von Gewalt ein Gegenüber zu sein, das sie wieder als Menschen anerkennt. 2016 wurde sie für ihr Werk mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Sie erhielt zahlreiche weitere Preise. Emcke ist seit 2014 als freie Publizistin tätig, u.a. als Kolumnistin der „Süddeutschen Zeitung“. Mitte Januar dieses Jahres formulierte sie dort, dass es an der Zeit sei, eine zentrale Frage zu stellen: „Wer wollen wir sein? Wollen wir zu denen gehören, die einen Beitrag dazu leisten, dass wir als Gesellschaft lernen, dass wir uns entwickeln und dadurch bestehen? Oder wollen wir zu denen gehören, die blockieren und beschädigen?“

Die Findungskommission des Preises habe sehr bewegt, in welchem Maße unsere demokratische Gesellschaft derzeit auf dem Spiel stehe, so Sommer. Carolin Emcke plädiere für eine Gesellschaft, in der wir uns nicht ähnlich sein müssen, in der wir verschieden sein dürfen, ohne uns die Menschlichkeit abzusprechen. Respekt sei immer zumutbar; es gelte, den Austausch mit anderen in gegenseitiger Achtung zu bestehen. Das sei eine entscheidende Grundlage der Demokratie. Carolin Emcke weise aber auch aus, wie es uns gelingen kann, Hass und Gewalt als Unrecht aufzudecken und Strukturen zu erkennen, die Menschenverachtung schüren.

Vorstand und Kuratorium des Preises ehren Carolin Emcke dafür, wie sie mit analytischer Klarheit das Rückgrat der Demokratie stärkt und als Künstlerin des Innehaltens der Empathie ihren Raum gibt. Sie zeige, wie die Ideale der Aufklärung in Zeiten multipler Krisen tragfähig blieben.

Der Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ wird am Sonntag, den 29. September 2024 in Kassel an Carolin Emcke übergeben.

www.instagram.com/glas_der_vernunft

Carolin Emcke Foto: © Andreas Labes
Carolin Emcke Foto: © Andreas Labes
Carolin Emcke Foto: © Sebastian Bolesch
Carolin Emcke Foto: © Andreas Labes
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8.10.2023

Am 8. Oktober 2023 wurde das 'Glas der Vernunft' an Natalie Amiri verliehen.

„Verantwortung, die aus Glück resultiert“

Natalie Amiri wurde am 8. Oktober 2023 mit dem „Glas der Vernunft“ geehrt

Am 8. Oktober 2023 wurde zum 32. Mal der Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ in Kassel verliehen. Er ist seit diesem Jahr mit 20.000 Euro dotiert und ging an die Korrespondentin und Moderatorin Natalie Amiri. „Natalie Amiri hat sich von dem Mut und der Stärke anstecken lassen, mit dem iranische Frauen Rechte einfordern und die Hoheit über ihre Selbstbestimmung wiedergewinnen“, sagte Wilfried Sommer, Vorsitzender des Vorstandes der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Preises. „Ihre Berichterstattung berührt etwas zutiefst Menschliches. Sie hat diese über Jahre gegen Erpressungsversuche des iranischen Geheimdienstes verteidigt“.

Seit 2014 moderiert Natalie Amiri den Weltspiegel aus München, außerdem das BR-Europa-Magazin EUROBLICK. Von 2015 bis 2020 leitete sie das ARD-Studio in Teheran. 2020 wurde für sie nach einer Einschätzung des Auswärtigen Amtes die Gefahr zu groß, Opfer einer politischen Geiselnahme zu werden. Sie musste die Leitung abgeben. Ihre Bücher zum Iran und zu Afghanistan sind hochgelobte Bestseller. „Ich denke, wir haben keine Vorstellung, was für eine Dimension von Mut es ist, im Iran auf die Straße zu gehen“, hob Natalie Amiri hervor und ergänzte: „Eines habe ich in meinem bisherigen Leben gelernt, wir haben eine Verantwortung in der Welt, die aus unserem Glück heraus resultiert.“

Der Botschafter a.D. Wolfgang Ischinger hielt die Festrede, die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal die Laudatio. Ischinger leitete von 2008 bis 2022 die Münchner Sicherheitskonferenz und moderierte 2021 zusammen mit Natalie Amiri deren digitale Special Edition, Tekkal hat vor Kurzem zusammen mit Natalie Amiri ein Buch über „Die mutigen Frauen des Irans“ herausgegeben. Außerdem traten Jasmin Tabatabai und das David Klein Quartett auf der Raumbühne ANTIPOLIS im Opernhaus auf.

Am Tag vor der Preisverleihung diskutierten bereits Schülerinnen und Schüler der Kasseler Schulen mit Oberstufengymnasium, Teilnehmende der Kasseler Jugendsymposien und Studierende der Universität Kassel im Gießhaus der Universität mit Natalie Amiri. Die Präsidentin der Universität, Prof. Dr. Ute Clement, und Prof. Dr. Wilfried Sommer moderierten die Diskussion. Natalie Amiri unterstrich: „Es ist Aufgabe und Verantwortung der Politik zu handeln. Ob und wie dies geschieht, ist eine Haltungsfrage: Unsere politische Vertretung muss sich also die Frage stellen, welche Haltung sie zur Islamischen Republik Iran haben will.“

Der Preis wurde auf der Raumbühne ANTIPOLIS im Opernhaus des Staatstheaters Kassel an Natalie Amiri übergeben.

Bilder der Preisverleihung und Auszüge aus den Reden finden sich hier und auf Instagram: @glas_der_vernunft.de

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30.3.2023

FRIZZ Magazin Interview

Das Magazin FRIZZ hat Prof. Dr. Wilfried Sommer, den Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Kasseler Bürgerpreises „Das Glas der Vernunft“, zum Interview eingeladen, um mit ihm über die diesjährige Preisträgerin Natalie Amiri, die Rolle der Stadtgesellschaft und den Verein zu sprechen. Lesen Sie das von der Redakteurin Kathrin Bode geführte FRIZZ INTERVIEW hier

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